Ziegel und Stahl against the Machine

Judith Hopfs Filme und Plastiken sind noch bis zum 15. April 2018 in der Ausstellung Stepping Stairs in den Berliner KUNST-WERKEN zu sehen.

Vor etwa einem Jahr bin ich an einem U-Bahnhof gedankenverloren die Rolltreppe nach oben gelaufen. Nach etwa 45 peinlich anstrengenden Sekunden, in denen ich mich wunderte, warum ich nicht vorankomme, stellte ich fest, dass ich gerade erschreckend lang versucht hatte, die nach unten gerichtete Rolltreppe nach oben zu steigen. Ein Netz aus Verpeiltheit und Stress ist sicherlich dafür verantwortlich.

In ihrem Text, der gleich des Ausstellungstitels „Stepping Stairs“ heißt, beschreibt die Künstlerin Judith Hopf, wie sie manchmal Rolltreppen in die falsche Richtung auf und absteigt. Ob das in ihrem Falle nur infantiles Gehabe ist oder doch, ganz gegenteilig zu Kinderspielen, ein Symptom des Gefangenseins in einer stressbetriebenen Maschine, sagt sie nicht so deutlich.

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„Laptop Men“, 2018

In der Ausstellung „Stepping Stairs“ der KW werden politische Aspekte dafür offensichtlicher verarbeitet und gegen das „Grau“ des Alltags revoltiert. Obwohl grau als Farbe ironisch gebrochen schon immer wieder auftaucht – zum Beispiel in Form der ehernen „Laptop-Men“. Abstrakte Skulpturen, verwachsene Körper, die nun untrennbar vom Laptop auf dem Schoß existieren.

Auch der Film „Lily‘s Laptop“ spielt auf anthropozäne Verstrickungen zwischen Technik und Natur an. Au-Pair-Mädchen Lily will im Haus ihrer Gastfamilie testen, ob ihr teures Macbook schwimmen kann. Damit der Laptop schwimmen kann? Naja, dafür wird erstmal das Haus unter Wasser gesetzt. Ein Zauberlehrling im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit? Vielleicht. Hopf beteuert eher, sie spiele auf „Le Bateau de Léontine“ von 1911 an, ein „Suffragetten-Film“, der die Rache des Hausmädchens verarbeitet.

„Birne“, 2018

Neben metallenen Laptopmenschen tummeln sich im rau-ästhetischen Ausstellungsraum der KW außerdem Plastiken aus Backstein. Da steht der Hüfthohe erhobene Zeigefinger, eine steinerne Riesenbirne und Mauern. Die Birne, so verbindet das Künstlerin Hopf selbst, stehe für Kohl, der von bösen Zungen so genannt wurde.

Die Kohl-Ära habe die 1969 geborene Künstlerin als unterdrückend und lähmend empfunden. Daher scheint sich scheinbar auch ihre Begeisterung für die Künstlerin Annette Wehrmann, der ebenfalls noch eine kleine Monoausstellung gewidmet wird, zu speisen. Wehrmann, die mit ihrer Kunst erfolgreich gegen „die Grauheit“ kämpfte hat in den 90ern an Silvester Papier-Luftschlangen mit der Schreibmaschine beschrieben und ihre Sinnlosgeschichten verlesen. Eine der Inspirationsquellen für Hopf.

„Stepping Stairs“, 2018

Judith Hopf ist zur Zeit Professorin an der Städelschule in Frankfurt am Main. Auch das Grau der KUNST-WERKE scheint sie zu stören. Inspiriert von Architekt John Hejduk stattet Hopf die Fassade des Museums mit einem Miley-Cyrus-Gedächtnis-Gesicht aus. Ein nettes Gimmick, das man nur wahrnehmen kann, wenn auf dem Weg in die höher gelegenen Räume, auch mal aus dem Fenster schaut.

Wer in diesem bisher trostlosen Frühling Auswege aus der Grauheit sucht, d* ist in der Ausstellung „Stepping Stairs“ gut aufgehoben! Und Rolltreppen gibt es hier zum Glück keine.

 

Judith Hopf – Stepping Stairs
Noch bis zum 15.04.2018 im KW Institute for Contemporary Art, Auguststr. 69, bis 15.4., Mi-Mo 11 -19 Uhr, Do 11 -21 Uhr
8 € / 6 € ermäßigt , Freier Eintritt am Donnerstagabend zwischen 18 und 21 Uhr

Titelbild: Judith Hopf, Installationsansicht Stepping Stairs in den KW Institute for Contemporary Art, Foto: Frank Sperling

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