Wie stellt man DDR-Kunst aus? Drahtseilakt im Museum Barberini

Die Ausstellung „Hinter der Maske. Künstler in der DDR“ im Museum Barberini zeigt von Oktober bis Februar, wie sich Kunstschaffende der DDR mit ihrem Selbstverständnis auseinandersetzen. Dabei trennt sie zwischen Kunst und Zeitzeugnis.

Die offizielle Aufgabe der Kunst in der DDR war es, den Sozialismus zu fördern und der „Marschrichtung des politischen Kampfes“ zu folgen, wie DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl es ausdrückte. Wer aber denkt, Kunst aus der DDR sei bloße Staatspropaganda, irrt – so die Ausstellung Hinter der Maske. Künstler in der DDR im Museum Barberini. In knapp 120 Werken geht sie dem Selbstverständnis von Kunstschaffenden in der DDR auf dem Grund, die sich im Spannungsfeld zwischen verordnetem Kollektivismus und schöpferischer Individualität bewegten. Gezeigt werden die Werke sowohl kritischer als auch staatskonformer Künstler*innen, unter anderem von Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer, Erika Stürmer-Alex, Trak Wendisch und dem Künstlerkollektiv Clara Mosch.

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Trak Wendisch, Seiltänzer (1984); Quelle: bpk / Nationalgalerie, SMB / Jörg P. Anders © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Die Auswahl der Werke, unter ihnen vor allem Selbst- und Gruppenbildnisse, aber auch abstrakte Kunst oder – für die atheistische Gesellschaft der DDR ungewöhnlich – religiös gefärbte Werke, ist abwechslungsreich, spannend und zeigt viele Facetten des künstlerischen Arbeitens in der DDR, das sich auch abseits der Staatsideologie bewegte. Bezeichnend für das Thema der Ausstellung ist der Seiltänzer (1984) von Trak Wendisch, der auch die Plakate und Flyer ziert. Als Sinnbild für die Rolle der Künstler*innen in der DDR symbolisiert er ihren politischen Balanceakt.

Laut den Kurator*innen werde DDR-Kunst in der Schau Hinter der Maske nicht entkontextualisiert, dafür aber entideologisiert. Dies merkt man insbesondere an den Infotexten der einzelnen Themenräume, die stets den staatskritischen Charakter der gezeigten Kunst unterstreichen. Stark im Kontrast steht dazu der letzte Teil der Ausstellung im obersten Stockwerk des Museums. Unter dem Label „Dokumentation“ werden dort alle 16 Monumentalgemälde aus dem Palast der Republik gezeigt, die im Auftrag der DDR unter dem Motto Dürfen Kommunisten träumen? entstanden sind. Unter den Künstler*innen finden sich schon aus dem Rest der Ausstellung bekannte Namen wieder, wie Bernhard Heisig, Willi Sitte oder Werner Tübke. Statt auberginenfarbend sind die Wände nun weiß. Aufwändige Hängungen findet man ebenfalls nicht. Betont nüchtern zeigen sich die beiden Räume, eine klare Trennung wird aufgemacht: Auf der einen Seite atmosphärische Ausstellung, auf der anderen sachliche Dokumentation.

Natürlich gilt es kritisch zu beachten, dass es sich bei den 16 Gemälden aus dem Palast der Republik um Auftragskunst handelt – insbesondere dann, wenn die Ausstellung das Selbstverständnis der Künstler*innen zum Thema hat. Aber diese klare gestalterische Trennung wirkt wie eine Degradierung der Gemälde zu bloßen Zeitzeugnissen, die den Anspruch auf „Kunst sein“ verloren haben. Aber was genau ist Kunst – und was ist sie nicht? Nach welchen Maßstäben wird dies bestimmt?

In der Pressemitteilung zur Ausstellung heißt es:

„Die 16 großformatigen Bilder sind Zeugnisse der staatlichen Repräsentationskunst. Vor diesem Hintergrund wird umso deutlicher, wie reich das Kunstleben in der DDR war, das sich jenseits davon entfaltete und in der Schau Hinter der Maske zu sehen ist.“

Gehört aber zu dem reichen Kunstleben in der DDR nicht auch die Repräsentationskunst – genauso wie die Maske Teil der Künstler*innen ist?

 

Titelbild: Erich Kissing, Leipziger am Meer (1976-79); Quelle: bpk/Museum der bildenden Künste, Leipzig / Bertram Kober (Punctum Leipzig) © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

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