Snapchat in analog

Confrontation: George Condo im Museum Berggruen

It’s about putting things together and seeing how they react to one another. Whereas a dialogue is a more placid, almost prosaic platform for discussion. One has dialogues every day. I could have a dialogue every day with the lady down the street who’s selling cupcakes. But if I say to the cupcake lady, „Something is wrong with the frosting. Why is it blue?“- suddenly we’re having more of a confrontation. And then it’s memorable![1]

Auf diese Weise erklärt uns George Condo seine wenig überraschende Definition der Konfrontation – Sachen zusammenpacken und schauen wie sie aufeinander reagieren. In dieser Manier, haben sich die Kurator*innen der Ausstellung „Confrontation“ im Museum Berggruen gedacht, sei diese Ausstellung am besten anzugehen.
Und warum auch nicht? Viele der Werke und Künstler [sic] des 19. und 20. Jahrhundert, auf die sich der 1957 geborene US-amerikanische Maler Condo bezieht, befinden sich in der umfangreichen Sammlung des Berliner Museums Berggruen. Die Konfrontation dabei? George Condos teilweise erstmalig gezeigte Werke werden zwischen Picasso, Matisse, Klee, Braque und Giacometti platziert und dann mal sehen was passiert. Ach, schau mal, da hat der Matisse doch mit Scherenschnitt und Leim gearbeitet – na huch, der Condo auch, dann hängen wir das mal nebeneinander. Ähnliche Motive, ähnliche Techniken, ähnliche Materialien, ja sogar ähnliche Farben werden so nebeneinander platziert, damit die Besucher*innen die Bezüge auch ja verstehen. Was dadurch geschieht ist, dass Condos wirklich hervorragend ironische und provokante Werke zu kurz kommen. Ist es doch schwer auf etwas zu verweisen und Referenzen aufzuzeigen, wenn das Zeichen, auf welches verwiesen wird, direkt daneben hängt. Condos Werke werden zum Simulacrum im Baudrillard‘schen Sinne – das Bild muss als Referenzlosigkeit agieren und verschwindet dadurch, verliert an Bedeutung.  Auch wirkt die Gegenüberstellung der Werke ein wenig Malen-nach-Zahlen-mäßig – viele der Anordnungen erscheinen dann doch austauschbar.
Dabei sind Condos bunte, pausbäckige Mickeymouse-Mensch-Hybride mit spitzen Zähnen, blöden Visagen und als Prolepse auf spätere Snapchatspäße grandios. Da ist die Nonne mit Katzengesicht, bedrohliche Clowns und das beim Sex erwischte Paar in Großformat, über das man nur lachen kann, weil es so genial, so witzig, so provokant ist. Und daneben gefühlte 1000 Frauenakte von Picasso. Auch könnte es ja ganz lustig sein, dass Picassos großformatiger „Akt mit Blumenstrauß“ eingerahmt wird von zwei verschoben und verschmitzt grinsenden Gesichtern, die ihren Blick beide dem Akt zuwenden, oder dass zwischen all den kleinformatigen Picasso-Akten ein etwas lüstern dreinblickender Voyeur hängt, wäre es nicht so typisch Udo Kittelmann und nicht jedes Mal die Vorgehensweise in einer von ihm kuratierten Ausstellung.
Was die Ausstellung dann aber doch kann, ist neuen Wind in Sammlungspräsentationen zu bringen und den Schock, die die gezeigten Künstler [sic] in ihrer Gegenwart wohl vermocht haben zu provozieren, wieder auszugraben und ans Licht zu bringen.

[1] George Condo zit. nach Rappe, Felicia; Werner, Babette Marie (2016): Confrontation Begleitheft. Berlin: Museum Berggruen.

Harte Fakten zur Ausstellung:
Confrontation: George Condo im Museum Berggruen
kuratiert von Udo Kittelmann und Felicia Rappe
Museum Berggruen, Schloßstraße 1, 14059 Berlin
Di- Fr: 10:00 – 18:00 // Sa-So: 11:00 – 18:00
Eintritt: 5 Euro ermäßigt // 10 Euro regulär

Titelbild:
Installationsansicht Museum Berggruen, Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin
Pablo Picasso: Bildnis Jaime Sabartés, 1904 | Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Museum Berggruen
George Condo: The Missionary, 2004 | Sammlung des Künstlers, New York / Courtesy Sprüth Magers und Skarstedt
Pablo Picasso: Sitzender Harlekin, 1905 | Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Museum Berggruen
George Condo: Seated Couple, 2005 | Sammlung des Künstlers, New York / Courtesy Sprüth Magers und Skarstedt
© Succession Picasso / VG Bild-Kunst, Bonn 2016
Foto: Timo Ohler

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