Burn your fire for this album.

Angel Olsen, die Frau mit dem ungewöhnlichen Namen, der kein Künstler*innenname ist, kehrt mit gewohnt großartiger und jodeliger Stimme zurück – sowie mit ungewohnt viel Keyboard und Lametta.
Am 2. September erscheint die, nicht nur von mir, sehnsüchtig erwartete neue Angel Olsen Platte „My Woman“, welche sie am 25. Oktober auch in Berlin präsentieren wird. Warum man das Album jetzt schon lieben sollte. 

Angel Olsen hat es geschafft eines der gefühlt tausend Bonnie „Prince“ Billie Alben noch schöner zu machen. Auf „Wolfroy Goes to Town“ von 2011 wirkt Olsen bei fast jedem Song mit und steigert die Schönheit dieser Platte ins unermessliche. Die Kooperation mit Bonnie „Prince“ Billie sorgte schnell für Aufmerksamkeit, welche Olsen nutzte sich recht schnell abzukapseln und ihre eigenen Songs zu veröffentlichen. Bonnie, wir sind dir zu ewigem Dank verpflichtet, denn daraus wurden eine EP und zwei grandiose Studioalben. „My Woman“ wird am 2. September 2016 folgen.
Die American-Folk-Singer-Songwriterin Angel Olsen, geboren in St. Louis, Missouri, berührt in ihren Alben die großen Themen des Lebens, auch wenn sie das selbst eigentlich gar nicht so richtig will. Ihre Songs kreisen um Liebe, Herzschmerz, Liebhaber, Reisen, Veränderung, ihre problematischen Familienverhältnisse als Adoptivkind und die Dunkelheit der Welt. Auf ihre erste selbst veröffentlichte EP „Strange Cacti“ von 2011 folgt im Jahr darauf das erste Studioalbum „Half Way Home“. Beide Produktionen bleiben auf der einen Seite der midwestern Folktradition, aus der Olsen stammt, recht treu, mit vornehmlich akustischer Gitarre gespielt und der beeindruckenden Stimme im Vordergrund. Auf der anderen Seite entführen uns die Platten aber in mysteriöse Welten, in die sich Olsen jodelnd und ergreifend immer mehr verstrickt und uns mitreißt. Wenn Olsen in „Tiniest Seed“ singt „When did the time become / Something that I feel? / And now as I disappear / Someone else becomes real“ thematisiert sie in diesem Song nicht nur die Nichtexistenz ihrer inneren Harmonie, den Lauf der Zeit, den Verfall, sondern auch die scheinbare Bedeutungslosigkeit menschlicher Existenz als klitzekleiner Samen. Es sind die Riesenthemen, die die 29-jährige hier besingt und dennoch den Nagel auf den Kopf trifft und somit auch direkt ins Herz der Hörer*innen.
Es scheint, als verarbeite Olsen auf diesen beiden Platten unverarbeitete und ungefilterte Emotionen, die sie viel zu lange mit sich herumgeschleppt hat. Trotzdem wirken ihre Lieder nicht belastend. Ihre Musik kommt eher daher, wie Jacqueline Krause-Blouin in der SPEX anmerkte, „[…] wie die eines gefallenen Engels, gezeichnet von existenziellen Ängsten, furchtloser Coolness und subtilem Sex. Von ihr geht die verrückte Verführung derer aus, die kurz davor sind, wahnsinnig zu werden“.
Auch auf dem zweiten Studioalbum „Burn your fire for no witness“ schwingt diese Verführung mit. Hier wirkt Olsen aber bereits abgeklärter, reflektierter mit der abgefuckten Welt, die sie versucht zu „entfucken“, wie sie das Album mit ihrem nur 2-minütigen Song fulminant einleitet. Unfuck the World! Auch auf diesem Album versammeln sich zutiefst persönliche Texte. Musikalisch gelingt ihr hier eine grandiose Wende hin zu einer vollkommen genutzten Stimme untermauert mit elektronischer Gitarre. Diese neuen Songs beschwören das Weggehen, das High-Five mit d* fehlend* Liebhaber*in, oder auch, sich aus der Krise herauszutanzen. Sie sind verletzlich, traurig, berührend – erscheinen aber gefilterter und auch Olsen scheint selbstbewusster und gefestigt. Nun erscheint das neue Album „My Woman“.

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Still aus „Intern“. Courtesy: Angel Olsen

Schon der Titel und Song-Namen wie „Sister“ und „Intern“ scheinen zu verraten, und auch die Künstlerin verrät, so die SPEX, es gehe um das „komplizierte Chaos, eine Frau zu sein und für sich selbst einzustehen.“ Das klingt schon einmal mehr als vielversprechend.
Das Album soll eine neue Periode einleiten – andere Art des Songwritings und viel mehr Keyboard statt Gitarre. Auch der Gesang wirkt poppiger, so zumindest in den drei bereits veröffentlichten Tracks. Die Videos dazu sind nicht weniger spektakulär als die Songs selbst. Im Clip zu „Intern“ präsentiert sich Olsen uns augenzwinkernd als Star mit silberner Lamettamähne, die nicht nur in einer Einstellung im Marilyn-Monroe-Gedächtniswind weht. Diese fabelhafte Lamettaperücke, trotzdem mit Angel-Olsen-Pony, versteht sich, taucht auch im Clip zur zweiten Singleveröffentlichung auf. Das gitarrenlastige, rockigere und bedeutend rotzigere „Shut up and Kiss me“ präsentiert Olsen im Video mit wahrscheinlich nicht unabsichtlicher High-School-Filmästhetik – vom in cooler Collegejacke im Caprio stehend, bis hin zum Rollschuhlaufen im goldenen Glitzerdress, lässt der Song, genau wie der Clip, wenig zu wünschen übrig. Und als ob das nicht schon genug Spannung auf das neue Album wäre, haut Olsen noch die dritte Single mit Video raus. „Sister“ wirkt gewohnt nachdenklich und kommt als fulminanter 8-Minuten Song daher. In diesen acht Minuten wandert Olsen nicht nur durch die urbane Landschaft Los Angeles‘, sondern auch durch die Wüste der Stadt der Engel. Der Song kommt wieder weniger poppig daher, eher melancholisch. Er handelt vom Warten und von Herzschmerz. Am Ende kommt sie aber doch lächelnd aus dem Pool gestiegen und dieses Lächeln ist Gold wert.

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Still aus „Sister“. Courtesy: Angel Olsen

Am 25. Oktober kann man die lächelnde und überaus freundliche Musikerin wieder sehen. Dann wird sie endlich ihr neues Album im Berliner Columbiatheater präsentieren. Man kann sich nur darüber freuen, dass Paper and Iron Booking wieder ein Theater ausgewählt haben, um Olsen auf die Berliner Bühne zu bringen. Das Konzert im Hebbel am Ufer war einfach zu schön. Genau wie in diesem kalten März 2014, wird sie auch diesmal ihr Publikum, inklusive mir, verzaubern und sprachlos hinterlassen. Das ein oder andere Schmunzeln wird auch nicht zu kurz kommen, denn mit dem Publikum agieren und plaudern, das kann sie fast so gut, wie Musikmachen. Also reinhören und hingehen. Es wartet großartiges auf uns.

Harte Fakten zur Platte
Erscheinungsdatum: 02.09.2016
Label: Jagjaguwar
Preis: 21,99 Euro
Hier geht es zur Website
Hier geht’s zum Song „Intern“
Konzert in Berlin am 25.10.2016 im Columbia Theater
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